Lupus-Erythematodes-Selbsthilfegruppe Darmstadt



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Dem Hausarzt fehlt als Lotse die Qualifikation


Patienteninitiative gegen Bonner Pläne

Eine neu gegründete Darmstädter Patienteninitiative hat sich gegen die in Bonn diskutierte Regelung ausgesprochen, ein Doktor-Hopping (dazu Kasten) über ein sogenanntes Primärarzt-System zu ersetzen. Bei diesem System ist der Hausarzt als Lotse zu Fachärzten vorgesehen (wir berichteten). Hausärzte würden sich mit der Diagnostik vieler Krankheiten am wenigsten von allen Ärzten auskennen und seien gegenwärtig "für die Lotsen-Funktion nicht ausreichend qualifiziert", kritisierten die Sprecherinnen der Initiative, Dorothea Maxin von der "Lupus erythematodes Regionalgruppe Darmstadt" eine Vertreterin der Schilddrüsen-Selbsthilfegruppe Darmstadt, die Bonner Überlegungen.

Die Initiative sieht in den Plänen eine "Bevormundung der Patienten". Der Kranke wolle als "Kunde im Gesundheitswesen" schließlich selbst entscheiden, welchen Arzt er aufsucht. Die ungehinderte freie Wahl unter den zugelassenen Ärzten sei "gegenwärtig für Kassenpatienten bei fast fehlender Qualitätssicherung im Gesundheitswesen sowie fehlender objektiver, öffentlich zugänglicher Informationen über die Qualität der ärztlichen Tätigkeit die einzige Möglichkeit, Einfluss auf die Qualität der ärztlichen Behandlung zu nehmen", heißt es weiter. Die freie Wahl aller Haus- und Fachärzte müsse daher erhalten bleiben.

Darüber hinaus fordert die Initiative unter anderem die Einführung eines öffentlich zugänglichen Dokumentationssystems der Qualität ärztlicher und therapeutischer Leistungen mit folgenden Kriterien: Dauer bis zur Diagnosestellung, Richtigkeit der Diagnose, Therapiedauer bis zu Heilung, Häufigkeit von Nebenwirkungen und Komplikationen der Therapie, Berücksichtigung der Patientenzufriedenheit bei der Beurteilung der Qualität ärztlicher oder therapeutischer Leistungen.

Die Initiative führt verschiedene Beispiele zur Unterstützung ihrer Forderungen auf. Die Krankheit Lupus erythematodes (etwa 40.000 Betroffene in Deutschland) werde etwa nur bei 35 Prozent der Erkrankten bald nach Auftreten der ersten Symptome erkannt, bei den übrigen Betroffenen vergehen im Durchschnitt fünf Jahre bis zur Diagnose. Die Betroffenen sucheten in erster Linie zunächst ihre Hausärzte auf.

Die Krankheit Sprue (320.000 Betroffene in Deutschland) werde im Durchschnitt erst nach elf Jahren Krankheitsdauer erkannt. Die Betroffenen suchten auch in diesem Fall in erster Linie zunächst ihre Hausärzte auf. Die Krankheit Morbus Bechterew (mehr als 800.000 Betroffene in Deutschland) werde im Durchscnitt erst nach sieben Jahren erkannt. Bei vielen anderen Autoimmunkrankheiten (Multiple Sklerose, Morbus Basedow, Morbus Crohn) mit insgesamt zirka vier Millionen Betroffenen in Deutschland sehe die Situation ähnlich aus sowie häufig auch bei jodmangelbedingten Schilddrüsenkrankheiten und weiteren Erkrankungen.

In manchen Fällen würden Hausärzte die in bestimmten Fällen notwendige Ausstellungen von Überweisungen verweigern, zum Beispiel zur rheumatologischen Ambulanz oder zum Nuklearmedizinier.

Ein "Zwangs-Hausarzt-System" bringe daher insgesamt "mehr Leid für Patienten". Auch mit der Therapie vieler Erkrankungen seien Allgemeinmediziner häufig überfordert. Die Therapie müsse in vielen Fällen von Fachärzten geleitet werden.



Stichwort "Doktor-Hopping"

Aus den Vorberatungen der SPD-Gesundheitspolitiker für die Gesundheitsreform war bekannt geworden, dass das seit Jahren von einem Teil der Ärzte und einigen Krankenkassen beklagte "Doktor-Hopping" durch Änderungen an der Krankenkassen-Chipkarte verhindert werden soll.

Seit Jahren heißt es, die Kassen hätten überflüssige Milliarden-Ausgaben, weil Patienten unnötig oft die Ärzte wechseln. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht. Um dieses Problem zu lösen, haben sich SPD und Grüne im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, die Position der Hausärzte zu stärken.

Grundsätzlich soll sich der Patient zuerst an den Hausarzt wenden, der ihn als "Lotse" gegebenenfalls zu Fachärzten überweist. Als Hausärzte gelten Allgemeinmediziner und bestimmte Internisten.

Darüber hinaus sollen Patienten aber bei einschlägigen Erkrankungen auch direkt den Kinder- oder Augenarzt, den Frauenarzt oder Notfallchirurgen ansteuern können.



Artikel von Uwe Niemeier im Darmstädter Echo vom 27.2.1999. Die Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung.


(Diese Seite wurde am 14.1.2021 aktualisiert.)


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